vom 02.04.2012

"Jeder Mensch, der in seiner kleinen Welt Mut beweist, der rettet eine ganze Welt"

Mit diesen Worten verabschiedete sich Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, am 24. März 2012 von den Schülerinnen und Schülern des Oskar-Picht-Gymnasiums in Pasewalk.
Als Pate der Schule für die Bundesinitiative Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage war er der Einladung zur Podiumsdiskussion mit dem jungen Publikum gern gefolgt. Hier stellte er sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler und räumte dabei mit manchem Vorurteil gegenüber jüdischen Mitmenschen, ihrer Religion und Kultur aus Vergangenheit und Gegenwart auf. Das Spektrum der Diskussion war breit gefächert: Es reichte von aktuell-politischen Themen wie das NPD-Verbot, den schrecklichen Ereignissen in Toulouse über die Thesen von Thilo Sarrazin - die er als rassistisch identifizierte - bis zu der Frage, welche Verantwortung wir alle gegenüber unseren Mitmenschen haben.

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„Die Grenze der Meinungsfreiheit ist der Respekt vor der Würde des Anderen“, hob Stephan Kramer hervor. Dabei richtete er den Fokus auf die Meinungsfreiheit im Internet: „Was im analogen Leben verboten ist, muss auch im Internet verboten sein. Es handelt sich keineswegs um einen rechtsfreien Raum.“


Den Pasewalker Schülerinnen und Schülern ist es wichtig, etwas gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt etwas zu tun. Das zeigt sich in ihrem Engagement im Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.
Bereits 2007 wurde dem Oskar-Picht-Gymnasium als dritte Schule in Mecklenburg-Vorpommern dieser Titel verliehen. Ausgangspunkt für die SchülerInnen-Initiative war nach Auskunft des Religionslehrers das Ergebnis der Landtagswahl 2006 in der Region. Schüler und Schülerinnen zeigten sich damals entsetzt über die hohe Zustimmungsquote zur NPD. Sie lag weit über 10 Prozent und wurde nicht zuletzt auch durch das Votum der Eltern möglich. Damals wurden die Abiturientinnen Ellenor und Janka selbst aktiv: „Es war schon komisch als Siebtklässler mit unseren Unterschriftenlisten für eine Schule ohne Rassismus an die Schüler der höheren Jahrgänge heranzutreten. Es hat sich aber gelohnt: Wir bekamen weit mehr als die nötigen 70 Prozent an Zustimmung, um uns als Schule gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt positionieren zu können.“ Nun moderierten die beiden die Podiumsdiskussion.


In den vergangenen fünf Jahren hat die Initiative zahlreiche Projekte an der Schule ins Leben gerufen: z.B. Streitschlichter wurden aktiviert, eine kritische Ausstellung zum Neofaschismus organisiert oder eine enge Zusammenarbeit mit polnischen Schulen aufgebaut. Unterstützung fanden sie vor allem bei ihrem Religionslehrer und ihrem Sozialkundelehrer , nicht zuletzt auch bei der Schulleitung.
Das Abitur und damit das Verlassen der Schule rücken für Ellenor und Janka inzwischen in greifbare Nähe. Ihre Initiative aber soll an der Schule weiterhin Bestand haben. Die Patenschaft für die Siebtklässler war ihnen deshalb ein besonderes Anliegen. In der Gruppe hat Ellenor schon aktive NachfolgerInnen entdeckt, die sich zum Abschluss der Diskussionsveranstaltung bei der Landeskoordinatorin für Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage vorstellten.


„Jeder Mensch, der in seiner kleinen Welt Mut beweist, der rettet eine ganze Welt“- hier hat dieser Aufruf von Stephan Kramer, verstanden als Appell zur Zivilcourage, Namen und Gesicht bekommen. Ob sich in der Region mutige Nachahmer finden?
 

Bildunterschrift (vrnl): Stephan Kramer, Ellenor, Janka diskutieren über das Erreichte und künftige Perspektiven.



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