vom 19.04.2013

Neue Ausgabe der „Demokratischen Kultur MV“ wartet auf Ihren Download/Ausdruck

Heute erscheint die frisch digitalisierte Ausgabe der DEMOKRATISCHEN KULTUR MV mit interessanten Themen und Eindrücken aus Demokratiepädagogik, mobiler Beratung, Menschenrechtsbildung, politischer Literatur und Rechtsextremismusprävention. Unser Fokus liegt heute auf neuen Entwicklungen beim Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, einem Interview mit Ansgar Gilster vom Organisationsteam des 34. Evangelischen Kirchentages in Hamburg und auf einer Buchbesprechung der Autorinnen Özlem Topçu, Alice Bota und Khuê Pham.

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Editorial
 

»Einordnung der NSU-Morde«

Von Ingmar Dette
LEITER RZ VORPOMMERN-GREIFSWALD

Der sogenannte NSU tötete in einer Mordserie neun Menschen. Die Morde blieben lange unaufgeklärt und riefen später großes Entsetzen hervor. Im Februar 2012 entschuldigte sich die Bundeskanzlerin bei den Angehörigen der Opfer und versprach Aufklärung.
 

Was hebt die Morde aus der Fülle anderer Gewalttaten hervor? Ist die nachträgliche Aufmerksamkeit nicht eine weitere, diesmal positive Diskriminierung der Opfer? Gibt es sie wieder, die Opferhierarchie?
 

Solche Fragen werden gestellt und sie provozieren.Wer so fragt, gibt einen Blick frei auf jenes geistige Umfeld, aus welchem die mutmaßlichen Täter ihren Rückhalt bezogen. Das „Zwickauer Trio“ war sich seiner Sache auch deshalb über Jahre so sicher, weil es seine Taten vom zustimmenden Schweigen einer vermeintlichen Mehrheit gedeckt sah.
 

So sind diese Morde politische Taten. Sie sind fremdenfeindlich motivierte Hassverbrechen und darum keineswegs mit ebenfalls tragischen, aber privaten Tötungsdelikten zu vergleichen.
 

Jeder Mord des NSU trug die Botschaft: „Wer zu uns gehört, bestimmen wir. Ihr Fremden gehört nicht zu uns. Darum müßt und werdet ihr sterben.“ Es waren politisch motivierte Hinrichtungen, deren Botschaft von allen Beteiligten, nur nicht von den staatlichen Strafverfolgungsbehörden verstanden wurde.
 

Auch deshalb ist der anstehende Prozess so öffentlichkeitswirksam: Es geht grundsätzlich um die Wiederherstellung des verlorengegangenen Vertrauens in den Schutzauftrag des Staates. Es geht um die Frage, ob das Grundgesetz auch im 21. Jahrhundert für alle hier lebenden Menschen gilt. Es geht um die Wiederherstellung eines zerbrochenen Rechtsfriedens in unserem Land.
 

Darum ist die die besondere Aufmerksamkeit gegenüber den Opfern des NSU und ihrer Angehörigen nicht politisch korrekt, sondern politisch geboten.

 

RZ-E-Paper_Rundbrief_April2013.pdf (691 KB)

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