vom 18.07.2014

IVL-Programm “Countering Violent Extremism” - Fachkräfteaustausch in den USA

Besuche im US-Justizministerium, im Außenministerium und aufschlussreiche Gespräche mit Imam Mohamed Magid von der “All Dulles Area Muslim Society” (ADAMS)

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Hintergrund: Der Leiter des RAA-Regionalzentrums Westmecklenburg, Dr. Daniel Trepsdorf, besucht auf Einladung des US-Außenministeriums die Vereinigten Staaten. Gemeinsam mit internationalen ExpertInnen der Demokratieentwicklung und politischen Extremismusprävention tauscht er sich zu innovativen Programmen und Projekten aus.
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Vor einer politisch respektive religiös motivierten, extremistischen Straftat deuten oft Hassreden („Hate Speeches“) potenzieller Gewaltakteure auf ein mögliches Eskalationsszenario hin. Mithin also entgrenzte, radikale sprachliche Artikulationsformen, die spezifische Bevölkerungsgruppen oder Einzelpersonen herabsetzen, ausgrenzen beziehungsweise isolieren sollen. Später folgt nicht zuletzt der Aufruf an die jeweilige Zielgruppe, unnachgiebig und unter aktiver Gewaltanwendung dem vermeintlichen Gegner zu begegnen.

In der Praxis ist es für staatliche Behörden allein oft schwierig, eventuell radikalisierte Einzeltäter („Lone-Wolfs“) oder Gruppen, etwa den NSU, rechtzeitig zu identifizieren. Vor diesem Hintergrund kommt es vor allem auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Vertretern staatlicher Regelstrukturen und zivilgesellschaftlichen Akteuren aus dem jeweiligen sozialen Nahraum an, um sich abzeichnende Gewaltszenarien noch vor deren Eskalation zu verhindern. An dieser Stelle ist ein respektvoller Austausch auf Augenhöhe wichtig. Denn es gilt, in der Abwägung zwischen einer sorglosen ‚Laissez-fair’-Haltung gegenüber möglichen Gewalttätern und dem zügellosen ‚Law-and-Order’-Verständnis innenpolitischer Hartliner, die in allen Bürgerinnen und Bürger lediglich potenzielle Kriminelle vermuten, eine sensible Balance zu finden. Geschieht dies nicht, so nehmen die betroffenen Menschen, die berührte soziale Peer-Group und gleichwohl die Demokratie insgesamt Schaden.

Als Beispiel guter Praxis zum Entgegenwirken von Hassverbrechen hatte die internationale Gruppe von ExpertInnen der Demokratieentwicklung und politischen Extremismusprävention im Rahmen des IVL-Programms die Möglichkeit, mit dem Präsidenten der Islamischen Gesellschaft Nordamerikas, Imam Mohamed Magid (Foto: Mitte, hinten), zu sprechen. In Kooperation mit Behördenvertretern von lokalem Community Police Service, Justizministerium und FBI bauen die Vertreter der „All Dulles Area Muslim Society” (ADAMS) seit Jahren Brücken der Verständigung zwischen den Religionen. Zudem engagiert sich ADAMS in folgenden Feldern, die auch für die staatlichen Regelstrukturen von Belang sind:

__innerhalb der sozialen wie religiösen Gemeinschaften für Rechtstaatlichkeit („Law enforcement“), individueller Verantwortungsübernahme und aktive Menschenrechtsarbeit zu sensibilisieren
__auf die Strategien extremistischer Gruppen im Internet (Soziale Netzwerke/„Web-radicalisation“) hinzuweisen und mit entsprechenden Bildungskampagnen entgegenzuwirken
__demokratische Alternativangebote für gefährdete Jugendliche zu entwickeln und umzusetzen
__funktionierende Netzwerke für weitere Kooperationen mit nationalen wie internationalen Partnern zu etablieren, oder auch
__gemeinsam mit Engagierten der Zivilgesellschaft Finanzierungsquellen und qualifiziertes Personal für die Weiterführung erfolgversprechender Projekte zu organisieren

Viele der besprochenen Ansätze zur Aufklärung, Sensibilisierung, Vernetzung und Aktivierung einer lebendigen Zivilgesellschaft gegenüber Gewalttätern aus der rechtsextremen Szene werden auch in den Regionalzentren für demokratische Kultur in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren praktiziert. Dies stieß auch bei den Demokratie-ExpertInnen aus 10 Ländern (darunter Norwegen, die Türkei, Spanien, Ungarn, UK u.a.), die sich aktuell auf einer gemeinsamen Austauschreise durch die Vereinigten Staaten befinden, auf eine interessierte Resonanz.



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