vom 30.07.2014

Fachkräfteaustausch in den USA – IVL-Programm „Countering Violent Extremism“, letzte Stationen der Reise: Minneapolis und New York

Besuche beim Minnesota International Center, beim FBI, dem St. Pauls Police Department, der somalischen „Ka Joog“-Initiative (som. „Bleib fern“), Abendessen und Austausch im Haus einer amerikanischen Familie

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Hintergrund: Der Leiter des RAA-Regionalzentrums Westmecklenburg, Dr. Daniel Trepsdorf, besucht auf Einladung des US-Außenministeriums die Vereinigten Staaten. Gemeinsam mit internationalen ExpertInnen der Demokratieentwicklung und politischen Extremismusprävention tauscht er sich zu innovativen Programmen und Projekten aus.“
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Minnesota liegt im Norden der USA, das Land grenzt geografisch an das Areal der großen Seen (Lake Superior, weiter östlich: Lake Michigan, Lake Huron, Lake Ontario u.a.) und politisch an Kanada, an die Staaten Wisconsin, N.-S.-Dakota sowie Iowa. Die Hauptstadt Minneapolis war das vorletzte Ziel der Gruppe europäischer Fachkräfte, die sich in Ihren Heimatländern für die Stärkung von Demokratie und Menschenrechten sowie gegen gewalttätigen Extremismus und Hassverbrechen engagieren.

Minneapolis, im Verbund mit dem nahe gelegenen St. Pauls auch als „Twin Cities“ bekannt, umfasst in der Metropolregion knapp 3 Mio. Einwohner. Weiterhin spielt es auch durch seine große somalische Gemeinschaft eine Rolle: von den 85.000 Somaliern, die in den USA leben (American Community Survey, 2010), wohnen 15.000 in Minneapolis. Um diese ethnische Gruppe gegenüber dem Einfluss von Hasspredigern als Vertretern eines radikalen Islam zu sensibilisieren, haben sowohl Regierungsbehörden als auch Akteure der afroamerikanischen Zivilgesellschaft spannende Programme initiiert.

Den Engagierten der Initiative „Ka Joog“ geht es in diesem Umfeld seit 2007 darum, somalische Jugendliche vom Drogenkonsum, von Gewalt, Radikalisierung und sonstigen negativen Einflüsse fernzuhalten. Zusammen mit den Bürgerinnen benachteiligter Stadtteile werden Gemeinschaftsprojekte umgesetzt oder Chancen zur besseren Ausbildungen von Jugendlichen aufgegriffen. Eine enge Abstimmung mit den staatlichen Regelstrukturen macht diesen Ansatz zusätzlich erfolgversprechend. Neben der Schule lernen die Jugendlichen auch, mit negativen Emotionen und Misserfolgen umzugehen, um eine grundsätzlich bejahende Lebenshaltung zu etablieren („Resilienzentwicklung“). Wege hierzu sind Kunst, Poetry-Slams, Schauspiel und Theater, Musik und sonstige Medienarbeit. – Wie gut dies für die Kompetenzsteigerung und Persönlichkeitsentfaltung der Jugendlichen ist, das erfahren die KollegInnen im fernen Deutschland übrigens auch täglich in der Medienwerkstatt Mecklenburgische Seenplatte „RAAbatz“.

Beim FBI und im St. Pauls Police Department sprachen wir mit den Spezialisten über neue Ansätze und Methoden im Community Policing (CP). Letzteres ist ein bereichsübergreifender, gesamtgesellschaftlicher Ansatz zur Kriminalitäts- und Gewaltprävention auf kommunaler Ebene. Die Abwendung von Kriminalitätszunahme und Gewalteskalation wird als sozietäre Querschnittsaufgabe von Zivilgesellschaft u n d Ordnungsbehörden, die auf Augenhöhe agieren, verstanden. Dies setzt gegenseitigen Respekt sowie ein erprobtes Vertrauensverhältnis weiter Bevölkerungsteile und örtlicher Polizeivertreter voraus. Neben der Vertrauensbasis sind ausgeprägte Orts- und Milieukenntnisse sowie eine partnerschaftliche – n i c h t abschreckende, einschüchternde oder repressive – Präsenz der PolizistInnen von Bedeutung. Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz zeigte uns die Arbeit der Ordnungskräfte im St. Paul Police Department (SPPD) auf. Commander John Bandemer und Officer Kadra Mohamed gaben Einblicke in ihre wichtige Arbeit und diskutierten intensiv mit uns. Dabei trägt Officer Kadra Mohamed auch im Dienst den Hidschāb (siehe Foto; arab. „Schleier“, „Schirm“) und wird so in ihrer Rolle als Polizistin in der somalischen Gemeinschaft ganz anders wahrgenommen als etwa ein typischer „weißer, großer, sonnenbebrillter Mann“ als maskulines Paradebeispiel eines westlichen Uniformierten. – Inwieweit das offensichtliche Tragen religiöser Symbole innerhalb einer säkularisierten, unabhängigen und neutralen Staatsöffentlichkeit und vor allem als wahrgenommener Teil einer Uniform auch als problematisch eingeschätzt werden kann, dies haben u.a. die Diskussionen in Deutschland um die „Kreuze in bayerischen Klassenzimmern“ gezeigt. Indes, diese Diskussion markiert ein weites Feld, das wir an dieser Stelle nicht bestellen können.

Am Abend machten die internationalen Fachkräfte noch eine spannende persönliche Erfahrung. Amerikanische Volunteers luden sie in Kleingruppen zu sich nach Hause ein („Home Hospitality“), um ihnen das Leben einer „ganz normalen“ amerikanischen Familie in privater Atmosphäre näher zu bringen. Ich war mit meinen serbischen und polnischen Kollegen bei der jüdischen Familie Berman eingeladen und wir erlebten einen niveauvollen, von angeregten Gesprächen gekennzeichneten und äußerst geschmackvollen Abend. – Manchmal können Gespräche in der Küche für das gegenseitige Verständnis zwischen den Kulturen mehr tun, als stundenlange diplomatische Austauschversuche an den Konferenztischen dieser Welt!

 



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