vom 07.12.2014

Erfolg für Demonstration für eine progressive und menschenwürdige Zuwanderungspolitik in MV

6.12.2014, Güstrow. – Auf dem Bahnhofsvorplatz am Güstrower Hauptbahnhof herrschte trotz Kälte und Nieselregen von Beginn der „Refugees Welcome“-Demonstration an eine tolle Atmosphäre.

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Initiiert wurde die Veranstaltung vom Ratschlag der Bündnisse in Mecklenburg-Vorpommern – einer Kooperation lokaler Initiativen, Vereine und Einzelpersonen, die sich für eine zeitgemäße und menschenwürdige Zuwanderungskultur engagieren. Über 300 Aktive reisten aus dem gesamten Bundesland an und sorgten für gute Stimmung im Kundgebungszug. – Die kleine Gruppe rechtsextremer Akteure, die in einschlägigen Netzforen zu einem „Spaziergang durch Güstrow“ aufgerufen hatten, traten im Gegensatz hierzu ziemlich grau-schwarz, merklich alkoholisiert und mit ihren klassischen menschenverachtenden Parolen ins Bild – also eher als vernachlässigbare Störschlieren am ansonsten bunten Fenster der demokratischen Zivilgesellschaft.

Beeindruckend und sehr bewegend äußerten sich einige Flüchtlinge via Lautsprecher über Aspekte ihrer eigenen Migrationsgeschichte. Demgemäß herrschte unter nicht wenigen MigrantInnen Verstörung und Angst vor, wenn es seitens der Asylbehörden hieß, dass die Betroffenen in eine (leider zumeist zentrale) Unterkunft nach MV verbracht werden sollten. Das die Zustände in MV stark vereinfachende Bild vom dünnbesiedelten Nord-Ost-Bundesland, in dem rechte, ideologisch verbrämte Wiedergänger eine Renaissance im große Stiel feiern, bekommt dagegen schon seit Jahren Risse. Selbst im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns – das zeigt auch die „Refugees Welcome“-Demonstration in Güstrow – ist die Mehrheit der Bevölkerung für eine menschenwürdige Zuwanderungspolitik der EU, in der die Bunderepublik eine verantwortungsvolle, progressive und gestaltende Rolle übernimmt. Eine Rolle, in der der Mensch im Mittelpunkt steht, wenn es darum geht, mit aktiver Hilfe Not und Bedrängnis auch im internationalen Bezugsrahmen abzuwenden.

Gerade vor dem Hintergrund der sinnfreien wie menschenverunglimpfenden Debatte über „Wirtschaftsflüchtlinge“ wurde unter den Demonstranten in Güstrow auch darüber gesprochen, dass gerade Deutschland selbst noch bis 1930 eine Nation der Auswanderer war. Über ein Zehntel der deutschen Bevölkerung (knapp 6 Mio. Menschen) wanderte allein im 19. und frühen 20. Jhr. nach Amerika aus. Und dies hauptsächlich aus ökonomischen Gründen, da viele Familien im krisengeschüttelten Deutschland keine Entwicklungs- und Auskommensperspektive mehr sahen. Ein bejahendes Verhältnis zu Migration und Immigration ist ergo ein starkes Movens im kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Es ist geradezu paradox, dass gerade „nationale Zirkel“, die ja gern rückwärtsgewandt Zukunftsfragen erörtern, diese Kernaspekte deutscher Geschichte vergessen! Heute verweisen allein 50 Mio. Amerikaner auf ihre deutschen Wurzeln (Vgl. ZEIT Geschichte Nr. 03/2012). – Ein Besuch im Deutschen Auswandererhaus in Bremen (am Neuen Hafen) mit dem Ziel einer individuellen Horizontserweiterung wäre in diesem Kontext allen Engstirnigen anempfohlen, die die latente wie unbegründete Angst vor Zuwanderung in der Bundesrepublik schüren.

Die Demonstranten setzten am Wochenende in der Barlachstadt Güstrow jedenfalls ein deutliches Zeichen der Zuversicht, dass das Gros der Menschen in MV verantwortlich und empathisch Flüchtlinge begrüßt und für eine lebendige Willkommenskultur steht.
 



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